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Der etwas andere Törn

Der etwas andere Törn

Ein Bericht über den Ausflug von 7 Jugendlichen und zwei Erwachsenen oder einfach
Para Schieben

Es war der 7. Juli 2006, alle Vorbereitungen waren getroffen und die Eltern gaben ihre Sprösslinge in die Obhut von 2 fremden Erwachsenen.


Endlich sollte es losgehen. Ein Teil der Crew, bestehend aus Kevin, René, Oliver, Anna, Max, Florian und Marcus stieg in den Zug, der uns nach Greifswald brachte.
Die Zugfahrt verbrachte man mit Spielen, Musikhören und Albernheiten. In Greifswald angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem Großraumtaxi. 7 Personen und viel Gepäck hieß es schließlich zu transportieren. Leider schienen in Greifswald die größeren Taxen eine Dauermittagspause zu machen. Nun gut, verteilt auf 2 normale Autos kamen wir unserem Ziel, dem Yachthafen Greifswald, immer näher.

   


Die Spannung unter den Jugendlichen stieg. Meine übrigens auch, denn ein wenig Sorgen machte ich mir schon, sollte wirklich alles so laufen wie Peter und ich uns das vorgestellt haben?
Im Hafen angekommen, erblickten wir unser Schiff. Die Jungs und Anna brachten nur noch ein „Geil“ oder „Cool“ raus. Denn der Anblick dieser 41 Fuß Yacht erstaunte wirklich alle.


Nachdem die Übergabe erfolgte, bunkerten wir erst einmal unsere Klamotten. Jeder entdeckte das Schiff auf seine Weise und staunte über die Größe und Unterbringungsmöglichkeiten in den Kabinen. Die Aufteilung der Kabinen war schnell erledigt. Natürlich gab es Fragen über Fragen. Wofür ist das? Können wir das mal ausprobieren oder wollen wir nicht gleich los?

Ein Teil der Crew besorgte etwas für das Abendessen, der andere Teil chillte einfach nur auf dem Deck der Hunter 41.
Den Abend verbrachten wir mit Erzählungen aus der Käptn Blaubärkiste aber auch mit der detaillierten Planung des nächsten Tages.
In der Plicht sitzend, wurden alle Eltern angerufen und ein kurzer Lagebericht nach Berlin geschickt. Denn die Eltern wollten natürlich wissen, wie es ihren Helden der See so geht.
Nach einigen Geschichten und Besserwissereien wurde noch eine Einkaufsliste geschrieben und die Müdigkeit überfiel den einen oder anderen. Einige waren sogar noch in der Stadt. Aber alle waren pünktlich „zu Hause“ auf unserer „Meltemi“.
Der Wecker wurde auf 8:00 Uhr gestellt. Guten Nacht!!

Der Wecker schrillte. Natürlich dauerte es, bis alle aus ihren Kojen kamen. Spontan wurde der Küchendienst, bestehend aus Kevin und Max, festgelegt.
Um halb neun fuhren Kevin und Olli mit dem ausgeliehenen Fahrrad zum Supermarkt und besorgten frische Brötchen und Zutaten für unser Bordfrühstück.
Zeitgleich mit den Fahrradfahrern traf auch der Rest der Mannschaft, Jean und Peter, im Yachtzentrum Greifswald ein. So konnte der Tag mit einem gemeinsamen Bordfrühstück beginnen..
Nach dem im Regen endenden Frühstück machten sich Anna, Peter, Küchenjunge Kevin und Marcus auf den Weg zum Supermarkt. Die lange Einkaufliste abzuarbeiten, dauerte natürlich seine Zeit. Alles ins Auto verfrachtet, machten wir uns auf den Weg zum Schiff, welches vom Rest der Crew auf Vordermann gebracht werden sollte. Naja!
Die Lebensmittel und Getränke auf Schubkarren verladen, zirkelten wir zum Schiff.
Es war 12:20 Uhr. Alles musste verladen werden. Anna bunkerte den Kühlschrank, Flo verstaute die Getränke. Und Max und Jean? Natürlich die Süßigkeiten. Der Rest wurde ebenfalls sicher und trocken verstaut.
Noch hatten wir 60 Minuten Zeit, denn Marcus wollte noch ein wenig Ruhe in die Mannschaft bringen. Die Crew wurde für die An- und Ablegemanöver vorbereitet und eingeteilt.
Punkt 13:20 machten wir unser erstes Ablegemanöver. Die Heck- und Bugjungs vollbrachten mit kleinen Problemchen eine Meisterleistung. Immerhin hatten wir 13 Meter Schiff mit
8 Tonnen unter den Füßen.
Um 14:00 Uhr passierten wir die Wiecker Klappbrücke. Mit Kurs 30° motorten wir noch
ca. 1 sm. Die Segel wurden gesetzt, der Motor ausgeschaltet und Rasmus mit einem Schluck Sherry wohlgestimmt und für unseren Törn besänftigt. Auch die Mannschaft wurde wohlgestimmt.
Durch den Sherry wurde der Regen immer weniger und Klärchen ließ sich langsam blicken.
Mit Kurs 350° machten wir langsame Fahrt Richtung Lauterbach. Der Wind nahm weiter ab und drehte immer mehr, von NO bis SO und zurück.
Die Zeit machte langsam Druck. Peter und Marcus einigten sich auf 18:45, um die Maschine zu starten. 1,7 sm vor Tonne Lauterbach war es soweit. Die letzten Seemeilen absolvierten wir unter Motor.
Kurz vor der Hafeneinfahrt bezogen alle ihre Positionen und machten sich für das Anlegemanöver bereit. Langsam in den Hafen fahrend, fanden wir recht schnell eine Box.
Angelegt. Alles klappte ausgezeichnet. Das Schiff wurde aufklariert. Einige gingen zügig von Bord, um ihre müden Glieder wieder zu bewegen. Die Küchencrew machte sich an die Arbeit und zauberte ein leckeres Essen.
Die Meldung beim Hafenmeister war eine Selbstverständlichkeit.
In der Halbzeitpause des Spieles um Platz 3 bei der WM wurde gegessen. Der Rest des Abends ist Geschichte. Die einen schauten weiter Fußball, die anderen lauschten der Gitarrenmusik von Flo oder man erzählte einfach.
Gute Nacht!


Der Wecker schrillte abermals um 8:00 Uhr.
16 Augen schauten auf Peter. Peter schlief!!!
Ein kleiner Scherz, Peter war immer der erste der aufstand.
Alle Möglichkeiten frische Brötchen zu besorgen, waren fast unmöglich. René und Marcus machten sich trotzdem auf den Weg. Bewohner und Passanten wurden gefragt und endlich war uns klar: es ist Sonntag. Trotzdem hatte das Brötchensuchteam Erfolg. Die Jungs bestellten in einem Hotel 30 Brötchen.
Nach dem Frühstück unter freiem Himmel machte die Küchencrew, Anna und Jean, unter Deck alles klar. Die anderen bereiteten sich auf das Ablegen vor. Wieder klappte alles hervorragend.
Ziel Sassnitz lag vor uns. Mit drei Windstärken nahmen wir Kurs Richtung Ostsee. Das Schiff war mit 6-7 kn unterwegs. Anna steuerte uns sicher Richtung Tonne Zicker. Leider musste sie wegen Hunger der anderen das Rohr verlassen. Zicker passiert, steuerte uns Kevin mit 40° direkt auf die Ostsee.
Auf der offenen See angekommen, machten sich die See und der Wind für fast alle bemerkbar. Trotz der intensiven Sonne wurden einige Gesichter immer weißer.
Ca. 1 sm vor der Hafeneinfahrt bereitete uns das Bergen der Segel kurzzeitig Schwierigkeiten. Der Wind und die Welle wollten uns ein wenig ärgern. Aber nicht mit uns!
Marcus hielt das Schiff unter Motor in den Wind, so dass die Crew alles unter Kontrolle bekam und die Segel bergen konnte.
Kurs 330°, zielstrebig auf die Hafeneinfahrt Sassnitz steuernd, machten sich wieder alle bereit. Die Box war gesucht, gefunden und es gab ein perfektes Anlegemanöver. Die Bewegungen der Ostsee sorgte dafür, dass die Hälfte der Crew erst einmal festen Boden unter den Füßen brauchte.
Die leckeren Spaghetti mit Tomatensauce sorgte jedoch für ein baldiges Wiederkommen der Mannschaft. Die Küchencrew musste noch den Abwasch absolvieren, um dann loszugehen das Finalspiel der WM zu schauen. Der Tag forderte seine Opfer. Ausser Olli, Kevin und Marcus (die mussten schreiben) empfingen alle anderen gegen 22:30 den Sandmann.

Montag, 7:00 Uhr. Marcus stand auf, welch ein Fehler, und musste die bestellten 40 Brötchen abholen. Man staunt im Übrigen, wie viel Touristen um diese Uhrzeit schon auf der Mole unterwegs sind. Nach gefühlten 50 Kilometern wieder am Schiff klapperte der Rest schon mit den Messern. Frühstück.
Um 10:30 wurde das Kommando zum Ablegen gegeben. Das Ablegen klappte „so gut“, dass wir noch eine kleine „Hafenrundfahrt“ absolvierten.
Die Mole passiert, das Groß gehisst, nahmen wir Kurs 340° Tonne Kap Arkona.
Der Wind nahm seine vorhergesagten 4 Windstärken ein und die Ostsee entwickelte ihre dazugehörende Welle. Bei besagtem Wind und der Welle, stießen manche von uns an ihre Grenzen. Die Tabletten gegen Reisekrankheit wurden verteilt. Ein Mitglied der Crew machte sich auch bei den Fischen sehr beliebt, aber auch diese Erfahrung gehört dazu.
Tonne Kap Arkona in Sicht, beschlossen wir abzudrehen. Wir nahmen Kurs 220° Richtung Glowe. Für alle sei gesagt, dass wir nur mit dem Groß 6,5 kn erreichten. Die Schabe erreicht, ließen wir noch einmal die Fock raus. Welch ein Ritt über die Wellen. Es war phantastisch.
Ca. 2 sm vor Glowe ließ der Wind nach und wir nutzten die Situation, um das Reffen des Großsegels zu üben. Klappte im Übrigen für das erste Mal Zitat Kevin: „Prima“. Also auf nach Glowe. Alle bereiteten sich auf ein doch recht unangenehmes Anlegemonöver vor. Die einen besser, die andern nicht so gut. Wind 18 kn W, also die Einfahrt von West zu nehmen. Die Tiefgang schrumpfte auf 20 cm unterm Kiel. Also die besten Voraussetzungen für ein schlechtes Anlegen. Und es war wirklich schlecht. Seitenwind, Schwell und nicht genügend Konzentration und Vorbereitungen gaben den Rest. Anschiss von Rechts, Anschiss von Links. Die Alten, die eben besser im Hafen liegen mit Satellitenschüssel und Teppich zum Abtreten. Wir hatten trotzdem helfende Hände.
Nach dem Abendessen, es gab Bratwurst mit Sauerkraut und Püree, wurde eine Manöverkritik absolviert. Alle sahen ihre Fehler beim Anlegen und versprachen Besserung. Auch dieser Tag zollte seinen Tribut. Ein kurzer Spaziergang genügte und die ersten Seemänner gingen ins Bett. Der Supertaschenlampenhalter Kevin und sein Schreiberling Marcus verabschieden sich für heute und sagen Gute Nacht.


Der nächste Tag versprach nichts Gutes. Der Wetterbericht sagte Gewitter und Gewitterböen voraus. Eine Entscheidung war schnell getroffen.
Die 1,50 m Augenlänge der Mannschaft nach dem Wetterbericht und der angesagten Wellenhöhe von einem Meter, nahmen Peter und Marus ernst und verordneten einen Hafentag. Den Widerstand einiger Crewmitglieder nahmen wir hin, denn die beiden „Alten“ hatten einen Plan.
Der Hafentag wurde mehr oder weniger an Bord oder am Strand verbracht. Kevin und Floh erklärten sich zum Einkaufen bereit. In Glowe ein kleines Problem. Beide zur Bushaltestelle gebracht, empfingen wir sie mit den bestellten Lebensmitteln nach drei Stunden wieder. Der nächste Supermarkt ist 18,5 sm weit entfernt und der Bus fährt nur alle 60 Minuten.
Um unseren Plan vorzubereiten lockte ich (Marcus) alle an den Strand. Peter hatte den restlichen Plan des Vorhabens zu erfüllen. Der Plan war perfekt.
Nur machte uns Kevin einen Strich durch die Rechnung.
Beim Ins-Wasser-Rennen schnitt er sich beide großen Zehen ein. Der Ruf beim Rettungsdienst war sofort getätigt. Kevin und Marcus fuhren mit dem Krankenwagen nach Bergen ins Krankenhaus. Schwester Steffi tat im Krankenhaus ihr bestes und verarztete den Kevin, der immer kleiner wurde. Hi Hi Hi.
Es war zwar nur eine Fleischwunde, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Nur desinfiziert, wurde Kevin auf einen Rollstuhl gesetzt und verlangte von mir die sofortige Abfahrt. Füße verbunden und glücklich, dass er keine Spritze bekommen hat, verließen der Taschenlampenhalter und sein Rollstuhlschieber das Krankenhaus und fuhren zur Meltemi.
Angekommen wartete der Rest der Crew mit dem Abendessen auf uns. Marcus entwickelte sich langsam zum Hausarzt von Kevin. Nicht nur die Schnittwunde sondern auch Fieber musste behandelt werden. Wenigstens blieb beiden das Zäpfchen erspart. Kevin war nach zwei Parazitamol wieder fit.
Nach dem Abendessen hörten wir uns den Wetterbericht über Kanal 66 an. War doch klar. Das Wetter kam wieder mal anders als ursprünglich angesagt. Wobei zu bemerken ist: das Gewitter war wirklich da, nur zog es weit südwärts an uns vorbei. Erst machte uns Kevin ein Strich durch die Rechnung und dann die Vorhersagen des Wetters. Also blieben wir noch ein wenig in Glowe. Das Wetter beruhigte sich und wir liefen morgens mit Ziel Moen aus.
Wetter schön, Wind N – NW 2-3.
Einen Am-Wind-Kurs fahrend, machten wir ca. 2 kn Geschwindigkeit. Hochgerechnet auf die Entfernung bedeuten das 15 Std Fahrt.
Marcus legte sich schlafen. Nach zwei Stunden erholsamen Schlaf, fragte er nach den gesegelten Seemeilen. Peter wusste nicht wie er es ihm bebringen sollte. Peter hatte das Schiff 1sm weit bewegt. Es lag natürlich nicht an Peter. Also der Motor musste ran. Im Inneren des lauten Glutofens wurde mal wieder ein leckeres Essen bereitet. Es gab Sandwiches. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der eingeteilte Küchendienst perfekt funktionierte. Die Jungs und Anna zauberten zu jeder Tageszeit und auch bei Schräglage immer ein tolles Essen.
Der Tag ging so zur Neige. Wir erzählten viel und alberten viel rum. Die Sicht war so genial, dass wir achteraus Hiddensee und vor uns die Insel Moen sehen konnten. Leider war das Wasser nicht so, dass wir hätten baden gehen können. Die Algen waren Schuld. Peter und Marcus machten sich daran, ihren Plan doch noch umzusetzen. Der aktuelle Wetterbericht wurde heimlich gehört. Die Voraussagen für die kommende Zeit waren ideal. Der Rest der Manschaft tuschelte. Einige traten an uns heran und wollten eine Meuterei planen. Aber das war immer nur Spaß. Flo machte sich daran, die Position zu bestimmen und den Zeitpunkt des Anlegens zu errechnen.
Um 22:30 kamen wir im völlig überfüllten Hafen Klintholm an. Wo wollen wir anlegen?
Schnell war ein Schiff gefunden, an dem wir im Päckchen liegen wollten. Marcus fragte die Crew und wir bekamen ein zögerliches JA zur Antwort. Schuld war sicherlich die Erregung von Flo, der darum bat, sein Schiff vorsichtig zu behandeln. Ganz Klintholm wusste nun, dass Flo ein Neureicher junger Mann ist, der ein Segelboot besitzt. Das Anlegemanöver klappte super. Peter hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Aber zum ersten Mal sah ich Peter eine Art von Anspannung an. Großes Kompliment an dich Peter auch dafür, dass du es immer hast rocken lassen oder gechillt hast. Es war sicherlich manchmal schwer für dich.


Das Schiff wurde aufklariert und Peter und Marcus baten in den Salon. Hier wurde das Anlegemanöver gelobt und die nächsten Stunden beraten. Der Mannschaft wurde erklärt, was es heißt im Päckchen zu liegen und wir gaben ihnen für die nächste halbe Stunde Freizeit.
Wir hatten einen Plan: Freizeit, Kochen, Essen, Nachttörn vorbereiten, Ablegen.
Peter und ich genossen die Ruhe und eine leckeres, kühles Anlegebier an Bord.
Die Jungs und Anna machten sich auf und davon und genossen bestimmt auch irgendetwas, wenigstens den festen Boden unter den Füßen. Wir waren ja lange genug schwankend unterwegs.
Beim Essen wurde unser Plan erläutert und die Vorraussetzungen dafür erklärt. Wir wollten Punkt 2:00 morgens ablegen. Die Begeisterung war groß. Alle wollten natürlich aufbleiben und es war fix die Kombüse in Ordnung gebracht.
Der Navitisch wurde hergerichtet. Die Schwimmwesten wurden angelegt. Alle Taschenlampen wurden in die Plicht gebracht. Alle Livebelts bereitgelegt. Es konnte losgehen. Die Vorraussetzungen waren perfekt. Wolkenloser Himmel, leichte Brise und Vollmond. An dieser Stelle sei auch den Eltern gesagt, wir hätten nie diesen Nachttörn gemacht, wenn wir andere Bedingungen gehabt hätten.
Es war 2:00 Uhr morgens und die Maschine wurde gestartet. Selbstverständlich waren wir so leise, dass uns unser Nachbarschiff nicht hören sollte. Alle Mann an Deck fuhren für Richtung Hafenausfahrt. Alles klappte perfekt. Flo berechnete unseren Kurs, wobei er die Wegepunkte beachten musste, denn schließlich mussten wir ein Verkehrstrennungsgebiet queren.
Alle in der Plicht sitzend, überkam den einen oder anderen doch die Müdigkeit. Die, die am lautesten schrien, die ganze Nacht auf zu bleiben, waren die ersten unter Deck, die es sich gemütlich machten und einschliefen.
Anna hatte die Lust und die Möglichkeit wieder am Rohr zu stehen. Es gefiel ihr sichtlich gut, dass Schiff durch die Nacht zu steuern. Olli machte ein Foto nach dem Anderen und versuchte das schönste Bild „Nacht mit Vollmond“ zu schießen. René kämpfte mit der Müdigkeit und gewann diesen Kampf erst einmal. Die Restlichen 8 Augen, die jetzt noch an Deck waren, suchten ständig den Horizont ab, um eventuelle Schiffe zu entdecken. Parallel zum Verkehrtrennungsgebiet zu fahren, bedeutet eben Ausschau halten.
Auf der Steuerbordseite hatten wir den Vollmond und auf der Backbordseite machte sich langsam aber stetig die Sonne bereit, über den Horizont zu kommen. Es war ein sagenhaftes Schauspiel. Den Wettbewerb „wer sieht die Sonne zu erst“ gewann Marcus, weil er den Olli ablenkte. Dieser war sichtlich sauer, also über sich, dass er sich ablenken ließ.
Nun machte sich auch Anna gen Schlafsack auf. Olli, René, Peter und Marcus waren die letzten auf der „Brücke“. Marcus bat vor dem Ablegen darum, dass mindestens drei Leute an Deck bleiben, um immer Ausschau zu halten und zu steuern. Peter zählte, mittlerweile sichtlich müde, bis vier und empfahl sich. Er hatte die Gunst der Stunde genutzt und war ebenfalls im Schlafsack verschwunden.


Der Tag hatte begonnen und Olli zauberte noch schnell einen Kaffee, bevor er völlig erschöpft in die Koje kroch. René blieb „wenigstens“ oben, aber auch ihm fielen die Augen zu. Nun gut. Es war Tag und ich genoss die Stille und Ruhe um mich herum. Keine Musik, keine Gebrabbel, kein Schreien, nur Stille. Aus zwei Enden bastelte ich mir eine „Selbststeueranlage“ und konnte so wenigstens mal pullern gehen oder noch einen Kaffee kochen. Nach und nach krabbelten sie alle aus ihren Löchern und bestaunten den neuen Tag oder die großen Pötte, die weit entfernt uns passierten.
Ein Frühstück wurde hergerichtet und alle zusammen genossen wir unter freiem Himmel auf offener See das Frühstück.
Mal wieder verließ uns der Wind. Sollten wir Rasmus zu viel Sherry verabreicht haben? Sicher nicht, denn es kam noch Wind!
Es war Donnerstag Mittag und unsere Vorräte neigten sich dem Ende. Genüsslich tuckerten wir mal wieder unter Motor Richtung Rügen. Heute Abend sollte das Käptn`s Dinner steigen, denn es war unser letzter Abend. Langsam machte sich René Sorgen, ob er denn jemals wieder etwas zu Essen bekommen würde. Ich glaube, dass war der schwärzeste Nachmittag für ihn. Auch für mich sollte es schwarz (im wahrsten Sinne des Wortes) werden.
Ein Anruf vom Vermieter, brachte keine frohe Botschaft. Nun ja, warum wisst ihr ja alle.
Trotzdem wurde es noch sehr schön. Der Wind nahm langsam zu, und endlich machten wir eine tolle Fahrt unter Segeln. Die Frage war nur, wo wollen wir hin. Sassnitz, Lauterbach oder sogar schon Greifswald?
Lauterbach lag gut, jedoch war der Zeitpunkt des Ankommens zu spät, um noch gepflegt essen zu gehen. Greifswald hätte auch gut sein können, denn am Samstag startete dort das Wiecker Fischerfest. Wir wussten aber nicht, wann die Klappbrücke sich öffnen sollte. Der
Hunger und der Wind trieben uns nach Sassnitz. Die Aussicht morgen wieder einen kleinen Nachtritt zu veranstalten lockte ebenfalls. Also auf nach Sassnitz. Wie gewohnt, meisterten wir das Anlegemanöver. Diesmal näher an den Sanitäranlagen, um nicht wieder eine halbe Ewigkeit unterwegs zu sein, um die Toiliettenhäuschen zu besuchen.
Ein Spontanlob von Peter erfüllte die Jungs des Anlegens mit Stolz. Da wir längsseits anlegten, legten die Herren sofort eine Spring. Toll!
Nachdem nun auf See und in Moen kein Strom da war, flitzten alle zur Steckdose, um ihre Handys aufzuladen. Ich durfte als erster ran, denn ich hatte ja zu Hause eine feuchte Wohnung, in der sich fremde Leute rumtrieben.
Nun ja, irgendwie merkte man, dass es zu Ende ging und ein wenig Wehmut machte sich breit. Nachdem das Schiff fertig gemacht wurde, machte sich auch die Crew fertig, um ein feierliches Abschiedsessen einzunehmen. Am meisten freute sich René.
Wir waren beim Italiener und aßen wirklich viel und lecker. Auch dieser lange Tag hatte zur Folge, dass wir frühzeitig die Kojen aufsuchten. Ein bisschen Erzählen, ein kleines Bier und die Crew war verschwunden. Leider war die Möglichkeit einer weiteren Nachtfahrt, dank des Windes, nicht mehr gegeben. Denn ein Risiko auf der Zielgeraden wollten wir nicht eingehen. Das war auch gut so, denn der nächste aber auch letzte Tag gab noch mal alles was das Seglerherz begehrt. Sonne, Wind der Stärke 4-5 und eine Welle waren perfekt aufeinander abgestimmt. Nur mit Fock den Hafen verlassend, segelten wir gute 2 sm Richtung Heimat. Alle sollten sich an die Bewegungen gewöhnen. Das Groß wurde hochgezogen. Wie in der Schabe geübt, wurde auch gleich das Reffen gemeistert. 2 Reffs sollten es sein. Nur mit Fock und den 2 Reffs im Groß glitten wir über die „Autobahn“ Richtung Greifswald.
Es war sagenhaft. Alle Mann und Frau an Deck genoss wirklich jeder diesen Ritt. Alle posierten noch einmal für ein Foto am Rohr und es wurden tolle Aufnahmen gemacht. Mit einem Selbstverständnis klickten die Jungs und Anna ihre Livebelts ein, sobald sie sich außerhalb der Plicht bewegten. Es war ein Traum.
Ich glaube jeder von uns war stolz auf sich. Es wurde natürlich gewetteifert, wer nun die Meltemi am schnellsten über den Bodden jagt. Max gewann diesen Wettkampf mit 9,6 kn.
Leider war es zu schnell vorbei. Die Segel wurde geborgen und der Motor angeschmissen. Einfahrt Wieck. Diesel musste noch gebunkert werden. Während der Fahrt machte ich mir ein wenig Sorgen um die Fülle von Booten vor der Klappbrücke, denn es war Fischerfest. Nun ja, das Glück ist mit den Tüchtigen? Die Tankstelle war leer und wir hatten noch eine halbe Stunde bis zur Brückenöffnung. Also Diesel bunkern und ein kleines Bier zur Belohnung für alle. Das Glücklichsein und der Stolz auf sich selbst stand allen in den Gesichtern geschrieben.
Die Brücke öffnete sich und das Ende näherte sich unaufhaltsam.
Aber wir mussten ja noch sauber machen!
Das Anlegen klappte mal wieder wie einstudiert, als hätten die Jungs und Anna nie etwas anderes gemacht.


Nur beim Saubermachen merkte man, dass die Lust fehlte.
Trotzdem konnten wir unsere Meltemi sauber, ordentlich und ohne Schaden zurückgeben.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass keiner so richtig los möchte. Hätte ich gesagt, wir fahren noch eine Woche, wären alle sofort aufs Schiff gestürmt und losgefahren.
Naja man soll aufhören, wenn es am schönsten ist und dies haben wir gemacht.
Flo, Peter und Max fuhren nach Berlin. Der Rest vergnügte sich auf dem Fischerfest. Unsere Klamotten brachten wir in unserem Partnerverein unter. Dort wurden wir auch noch königlich mit Essen versorgt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Frau Schmidt. René schaffte, so glaube ich, sieben Sandwiches innerhalb kürzester Zeit.
So gegen 2:00 nachts machten wir uns dann auf den Weg in den Verein, um unsere Sachen abzuholen. Zwei Nächte ohne Schlaf machten mir dann wirklich zu schaffen, übrigens zur Freude der anderen. Dekoriert mit leeren Bierflaschen machte man von Marcus noch einige Schnappschüsse. Naja man wird eben älter, die restlichen Jungs und Anna hatten ja genug Schlaf bekommen.
Am Bahnhof angekommen, mussten wir doch noch einige Zeit verbringen bis unser Zug kam. Persönlich fühlte ich mich komisch in dieser „anderen Welt“. Da sprach man im Zug über die Loveparade und zeigte sehr viel Haut. Die Restcrew der Meltemi, immer noch dick eingepackt aber schwelgte in Erinnerung an eine unvergessliche Woche und sie machte mir den Eindruck also würden sie alle mit einem Lächeln auf den Lippen schlummern.
Berlin, Südkreuz, die S-Bahn kam und die wirkliche Welt hatte uns wieder. In Grünau ausgestiegen, musste Anna Brötchen für die Familie besorgen, Olli schlief wahrscheinlich schon, denn er musste in Schöneweide raus, Kevin der chillte und René dachte ans Frühstück, warteten wir auf die Straßenbahn. Es waren alle gesund aber nicht munter zu Hause angekommen.
Ich war ein wenig stolz auf mich, denn die Idee war schnell geboren aber die Durchsetzung machte im Vorfeld ein wenig Kopfzerbrechen. Ich hoffe, nein ich glaube, dass jeder von euch diese Woche genossen hat und so schnell nicht vergessen wird.
Ebenfalls bin ich wirklich stolz auf euch, wie ihr eine Woche auf so engem Raum gemeistert habt und vor allem, dass jeder seine Grenzen kennenlernte und diese den anderen mitgeteilt hat.
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Eltern für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Sie haben tolle Kinder.
Ein ganz großes Dankeschön gilt dem Trimmer der Meltemi. Peter es hat großen Spaß gemacht

Die Frage nach einer Wiederholung im nächsten Jahr? Gerne, aber dann wirklich nach Bornholm. Und wenn Peter wieder mitkommt, dann rocken und chillen wir und schieben ne extreme Para.

Euer Skipper

Die Crew bedankt sich beim VBS für eine tolle Woche.

Crew: Marcus Buckow
Peter Reheberg
Anna Wegener
Florian Nierich
Jean Bossow
Kevin Möbius
René Möbius
Maximilian Lehmann
Oliver Bahro

Gesegelte Distanz: 390 sm
Zeitraum: 08. Juli bis 14. Juli 2006

D e r e t w a s a n d e r e T ö r n . . . . . . . . . w e i t e r e P h o t o s

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